Essen-Segeroth
Essen-Segeroth
Alter Friedhof im ehemaligen Stadtteil Segeroth
Übersicht
Essen-Segeroth
Katholische Pfarrkirche St. Marien
Der Segeroth war einst ein Stadtteil von Essen. Er entstand vor der Kulisse der Industrialisierung am Ende des 19. Jahrhunderts. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war dies der Platz eines Industrie- und Arbeiterviertels in der Stadt Essen. Oft wurde dieser Stadtbezirk als wilder Norden bezeichnet, weil es hier häufig Auseinandersetzungen gab wegen der Enge des Viertels, in dem viele teils aus Osteuropa eingewanderte Arbeitskräfte leben mussten. Häufig waren diese Arbeitskräfte ohne ihre Familien hier angekommen und mussten sich in schwieriger Umgebung behaupten. Später führten politische- und soziale Spannungen zu gewaltbereiten Auseinandersetzungen. Der ehemalige Stadtteil Segeroth lag nordwestlich der Innenstadt zwischen den heutigen Stadtteilen Altendorf, Bochold und Altenessen. An seiner Stelle befindet sich heute ein Teil des Nordviertels mit dem Campus der Universität Essen.
Geschichte
Mit dem Aufschwung des Kohlenbergbaus, in diesem Gebiet speziell die Abteufung der Zeche Victoria Mathias im Jahre 1840, und später auch durch die enorme Expansion der Kruppwerke stieg die Bevölkerung Essens durch Zuwanderungen von Arbeitskräften sprunghaft an, und damit auch die Nachfrage nach billigem Wohnraum. So entstand innerhalb weniger Jahre, wo vorher noch Viehweiden und Äcker lagen, das Arbeiterviertel Segeroth. Die Siedlung erhielt zunächst aus Mitteldeutschland, und bald hauptsächlich aus Ost- und Westpreußen Zuzug, aber auch durch Zuwanderung von Polen, osteuropäischen Juden und Sinti und Roma.
Bebauung
Essen - Westviertel
Gebäude der ehemaligen Krupp-Gussstahlfabrik
1886 lebten im Segeroth etwa 8.000 Menschen- 1930 waren es schon mehr als 40.000. Neben gesellschaftlichen Randgruppen lebten hier aber auch gut bezahlte Kruppsche Facharbeiter, Kaufleute und Kleingewerbetreibende, die in der Segerothstraße einen gewissen Mittelstand hielten. Das damalige, noch kleinstädtisch geprägte Essen war mit diesem Ansturm überfordert, deshalb entstand Ende des 19. Jahrhunderts meist planlos ein dichtes Durcheinander von Wohnblöcken und Industrie. In erster Linie waren Alfred Krupp und sein Sohn Friedrich Alfred Krupp, aber auch der Essener Bauunternehmer Piekenbrock die Bauherren meist primitiver Mietskasernen bei höchster Bevölkerungsdichte. Begrenzt war der Ort im Westen von der Kruppschen Gussstahlfabrik, im Norden durch seinen Friedhof und die Städtische Gasanstalt, der Maschinenbau-Union und dem Elektrizitätswerk, im Osten von der Zeche Victoria Mathias, sowie im Süden von der Bahntrasse mit dem Bahnhof Essen-Nord.
Später bildete sich südlich der Bahntrasse mit dem Großmarkt eine Barriere zum Stadtkern Essen. So wurde die Bebauung in engen Grenzen gehalten und konnte sich nicht ausweiten oder sich mit anderen Stadtteilen vermischen. Der Ort bot den Vorteil des nahen Arbeitsplatzes, eine billige Wohngelegenheit und vermied Auseinandersetzungen mit der einheimischen Bevölkerung, da man hier unter sich war. Auch wenn die Miete günstig war, mussten einige Mieter diese mit der Aufnahme von Schlaf- und Kostgängern aufbringen. So waren die Mehrzahl der Einwanderer ledige Männer, was in Folge die Prostitution im Viertel begünstigte. Bei meist herrschendem Westwind kamen Ruß und Staub der nahen Gussstahlfabrik direkt ins Viertel.
Kirche St. Marien
Essen-Segeroth
Katholische Pfarrkirche St. Marien
Im früheren Stadtteil Segeroth befand sich seit 1895 das Marienheim der Armen-Schwestern vom heiligen Franziskus. Bald schon wurde ein Alten- und Pflegeheim (1911) gegründet. Wahrscheinlich entwickelte sich hieraus die katholische Kirchengemeinde St. Marien mit angeschlossenem Kloster der Schwestern. Die Marienkirche wurde im Zweiten Weltkrieg von Bomben schwer getroffen- lediglich ein Teil des Kirchturms blieb als Stumpf erhalten. Nach dem Krieg wurde die Kirche in den Jahren von 1956 - 1959 vom Architekten Fritz Schaller wiederaufgebaut. Aufgrund von Sparmaßnahmen des Bistums Essen und einer veränderten Bevölkerungsstruktur im heutigen Nordviertel wurde die Kirche geschlossen. Der letzte Gottesdienst in der Marienkirche fand am 10. Februar 2008 statt.
Segeroth-Friedhof
Essen-Segeroth
Grabdenkmäler im Segerothpark
Am 1. November 1868 eröffnete die Güterbahnstrecke vom Bahnhof Altenessen zum heute nicht mehr existierenden Güterbahnhof Essen-Segeroth (in etwa auf dem Gelände des heutigen Universitätsparkplatzes), nicht zu verwechseln mit dem südlicher gelegenen Güterbahnhof Essen-Nord, der an der im gleichen Jahr eröffneten Strecke nach Bergeborbeck liegt. Auf dem Segeroth-Friedhof, dem heutigen Segerothpark, liegen unter anderem die Bergleute des schweren Grubenunglücks vom 20. Oktober 1921- Zeche Victoria Mathias - begraben. Auch einige Gräber von Essener Kaufleuten sind hier zu finden. Im südlichen Teil des Segerothparks am Assmannweg (früher Reckhammerweg) existiert bis zum heutigen Tag ein jüdischer Friedhof.
Nachkriegszeit
Essen-Segeroth
Segerothpark
Durch die schweren Bombenangriffe des Krieges im März 1943 wurde der Stadtteil Segeroth stark zerstört und nach dem Krieg nur sporadisch wiederaufgebaut. Nach Kriegsende war die Gussstahlfabrik zerstört und wurde demontiert. Die Zeche Victoria Mathias wurde nach und nach stillgelegt, der Großmarkt abgebrochen und die Bahnhöfe stillgelegt. Der größte Teil der Wohnbebauung verschwand dann in den 1960er Jahren. Die letzten Wohnhäuser an der Bottroper Straße wurden 1972 zum Baubeginn der Universität abgerissen und das Gelände eingeebnet. Die Bauten an der Paulstraße, der Johannisstraße und der Freistattstraße stammen schon aus den Anfängen der 60er Jahre.
Sozialistische Arbeiterbewegung
Essen-Segeroth
Grabdenkmal der bei einem Grubenunglück am 20. Oktober 1921 auf der Zeche Victoria Mathias verstorbenen Bergleute
Der Segeroth war eine Hochburg der Sozialistischen Arbeiterbewegung. Zu Beginn der 1920er Jahre wurde durch hauptsächlichen Zulauf der sozial Schwächeren die KPD zur absoluten Mehrheitspartei. Hinter der KPD wurde bei Ende der Weimarer Republik die NSDAP zur zweitstärksten Partei. Das führte zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Roten und Braunen, und brachte dem Segeroth u.a. die traurige Berühmtheit als Krawallviertel. Die Nationalsozialisten begannen nach ihrer Machtübernahme mit der Säuberung des Viertels. Damit waren weniger bauliche, als dezidierte rassen- und bevölkerungspolitische Maßnahmen gemeint. Zwischen der Schlenhofstraße und dem Reckhammerweg gab es ein Zigeunerlager, das 1937 gesäubert wurde. Ein Jahr später wurden etwa 100 Sinti und Roma aus dem Segeroth weiter in den Norden der Stadt verbracht.
Essen-Segeroth
Kleiner See im Segerothpark
Weitere wurden 1940 ins deutsch besetzte Polen verschleppt. Einige wurden 1943 nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Das überlebten nur einzelne. Zu Ende des Krieges war der Segeroth sozusagen frei von Juden, Sinti, Roma und Kommunisten. Nur noch wenig ist von den Industrieanlagen oder alten Wohnvierteln übrig geblieben. Allein die Prostituierten haben sich in der Stahlstraße ein Domizil erhalten; dort wo sich zuvor seit 1873 die Arbeiterkolonie Nordhof befand. Den größten Platz in Segeroth nimmt die Universität Duisburg-Essen ein. Dazu sind einige innenstadtnahe Nachkriegswohngebiete entstanden. Weitere Sanierungs- und Umgestaltungspläne, auch auf ökologischer Ebene, werden diskutiert. Heute gehört das ganze Gelände zum Stadtteil Nordviertel.
Jüdischer Friedhof Segeroth
Einer der größten jüdischen Friedhöfe in der Stadt Essen liegt im heutigen Nordviertel am Assmannweg (früher Reckhammerweg). Er befindet sich im heutigen Segerothpark, einem ehemaligen Friedhof aus dem 19. Jahrhundert. Die Belegungszeit des jüdischen Friedhofs - einem Teil des Friedhofs am Reckhammerweg - war von 1885 bis etwa 1973. Es sind etwa 700 Grabsteine erhalten, von denen jeder einzelne auch dokumentiert ist. Die Friedhofsanlage - heute Segerothpark - liegt im Nordwesten der Universität Duisburg-Essen.
Der jüdische Friedhof im Segeroth wurde 1885 geweiht und im Herbst des selben Jahres erstmalig belegt. Zahlreiche Grabdenkmale stehen heute als kulturgeschichtliche Zeugnisse einer ausgeprägten Grabmalkunst unter Denkmalschutz. Einige nach 1945 errichtete Grabsteine erinnern an ermordete Essener Juden. Der Bereich des jüdischen Friedhofs im Segerothpark ist durch einen Zaun vom Parkbereich getrennt und kann nicht besichtigt werden. Der Segerothpark wurde vor kurzem im Zuge des Masterplan Emscher Landschaftspark 2010 neu gestaltet und machte zum Zeitpunkt meines Besuchs im Sommer 2009 einen hervorragenden Eindruck.
Franziska-Schervier-Haus
Das Franziska-Schervier-Haus ist heute die Zentrale des Caritasverbandes für die Stadt Essen e.V.. Benannt wurde das Haus nach der Gründerin der Armen-Schwestern vom heiligen Franziskus. Franziska Schervier wurde am 3. Januar 1819 in Aachen geboren und verstarb am 14. Dezember 1876 daselbst. Schervier war die Tochter des Nadelfabrikanten Johann Heinrich Schervier (1784 – 1845) und dessen Ehefrau Marie Louise Victoire Migeon (1781 – 1832). Ihr Taufpate war Kaiser Franz I. von Österreich. Am 28. April 1974 wurde Franziska Schervier im Rahmen einer feierlichen Liturgie im Petersdom von Papst Paul VI. seliggesprochen. 1895 wurde das Marienheim als zweite Niederlassung der Schwestern gegründet. 1911 erfolgte die Grundsteinlegung der Alten- und Pflegeheimes der Gemeinde St. Marien im Essener Stadtteil Segeroth. 1976 gaben die Schwestern diese Niederlassung auf. Seit dem 1. Januar 1977 wird es als Caritashaus für Essen geführt.
Universität Duisburg-Essen
Die Universität-Gesamthochschule Essen wurde 1972 als Gesamthochschule des Landes Nordrhein-Westfalen gegründet. Sie wurde bewusst - wie zeitgleich weitere Neugründungen - als eine Maßnahme im Zuge des Strukturwandels der Ruhrregion vom Kohle- und Stahlstandort zum Dienstleistungs-Zentrum geschaffen. Erbaut wurde die Universität-Gesamthochschule Essen als Gebäude-Karree um einen grünen Campus herum am nördlichen Rand der Innenstadt auf einem zuvor abgerissenen Teil des traditionsreichen Arbeiterviertels Segeroth, heute Essen-Nordviertel. Durch die Ansiedlung in Innenstadtnähe und in einem Arbeiterbezirk sowie durch die Verteilung der Studentenwohnheime im gesamten Stadtgebiet sollte eine enge Integration der Akademiker in die städtische Bevölkerung erreicht werden. In die neu gegründete Hochschule eingegliedert wurde das Universitätsklinikum Essen im Stadtteil Holsterhausen.
Fusion mit der Gerhard-Mercator-Universität
Die 1909 errichteten Städtischen Krankenanstalten Essen waren 1963 zur zweiten medizinischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster erhoben worden. 1967 wurde das Klinikum Teil der neu gegründeten Ruhr-Universität Bochum. 1972 wurde es schließlich in die Universität-Gesamthochschule Essen überführt. Essen hatte damit neben Düsseldorf als einzige neu gegründete NRW-Hochschule ein Universitätsklinikum. Ebenfalls eingegliedert wurde die Pädagogische Hochschule Essen im Stadtteil Rüttenscheid, deren Gebäude weiter genutzt wurden. Am 1. Januar 2003 wurde auf Beschluss des Landtages NRW die Universität Duisburg-Essen durch eine Fusion der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg und der Universität-Gesamthochschule Essen gegründet. Sie gehört mit rund 30.000 Studenten zu den – nach Studentenzahlen – zehn größten deutschen Universitäten.
Quellennachweis:
Die Textabschnitte zur Geschichte des ehemaligen Stadtteils Segeroth basieren auf dem Artikel Essen-Segeroth (Stand vom 12.11.2008) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz [27 KB]
für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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