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Gut Klausheide

Nordhorn - Gut Klausheide

Blick durch eine Allee auf das Herrenhaus




Überblick

Nordhorn - Gut Klausheide

Zufahrt von der Lingener Str. (B 213)



Das Gut Klausheide in der Nähe von Nordhorn war bis 1951 im Besitz der Industriellen-Familie Krupp aus Essen im Ruhrgebiet. Benannt wurde es nach Claus von Bohlen und Halbach, dem 1910 geborenen, dritten von acht Kindern des Ehepaares Bertha (1886 - 1957) und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach (1870 - 1950). Früher nannte man den Besitz auch Gut Clausheide, auch „die Claus-Heide“, jedoch bald „Clausheide“, wovon die ehemalige selbstständige Gemeinde ihren Namen hat. Das Gut liegt in der Gemarkung Klausheide bei Nordhorn in der Grafschaft Bentheim im heutigen Bundesland Niedersachsen. Ab Sommer 1913 erwarb die Industriellen-Familie Krupp von Bohlen und Halbach ausgedehnte Moor- und Heideflächen zwischen Nordhorn und Lingen in der damaligen Provinz Hannover mit dem Ziel, ein landwirtschaftliches Mustergut aufzubauen.




Geschichte

Nordhorn - Gut Klausheide

Herrenhaus


Die insgesamt rund 15 000 Morgen (etwa 3 750 Hektar) umfassende Liegenschaft befand sich bis 1951 im Eigentum der Familie, als Bertha Krupp von Bohlen und Halbach die Gutsanlage sowie 1 100 Hektar Kulturland an die Saatzuchtgesellschaft Lochow-Petkus GmbH verkaufte. Im Jahre 1990 erwarb die Nordhorner Arbeiterwohlfahrt das Hauptgebäude und die beiden anschließenden Nebengebäude, wo sie seit 1996 ein Wohnheim für chronisch mehrfach beeinträchtigte abhängigkeitskranke Menschen unterhält. Ein rund 2 200 Hektar großes Heidegelände der Liegenschaft überließ die Familie Krupp ab 1933 der deutschen Wehrmacht zur militärischen Nutzung.


Nordhorn - Gut Klausheide

Parkanlage


Dort richtete die britische Royal Air Force 1947 ihren Übungsplatz Air to Ground Weapon Range, genannt Nordhorn Range, ein, der 2001 an die deutsche Bundeswehr übergeben wurde und heute offiziell Luft-/Bodenschießplatz Nordhorn heißt. Die Gebäude und das Gelände der Gutsanlage stehen unter Denkmalschutz. Im November 1978 wurden die acht auf der Nordseite der B 213 stehenden Gutsarbeiterhäuser abgerissen. Die Häuser auf der Südseite sind noch erhalten. Es ist nicht bekannt, was die Familie Krupp damals dazu bewogen hat, ausgerechnet hier in dieser bisher ungenutzten Landfläche ein Gut zu errichten. Weite Teile dieses Gebietes bestanden aus Heide- oder Moorlandschaften, in dessen Mitte das Nordhorner Moor lag, das im Besitz einiger Nordhorner Familien war.



Nicola Perscheid - Gustav Krupp von Bohlen und Halbach und Familie 1928

Gustav und Bertha Krupp von Bohlen und Halbach mit ihren Kindern, Claus von Bohlen und Halbach ist ganz rechts zu sehen - eingebunden über Wikimedia Commons

Nordhorn - Gut Klausheide

Straßenverbindung zwischen Lingen und Nordhorn - B 213


Die ursprünglich erworbenen Ländereien erstreckten sich auf mehrere Gemeinden in den Landkreisen Grafschaft Bentheim und Lingen, nämlich Altendorf, Bakelde, Lohne, Herzford, Elbergen, Engden und Hesepe. Der Gutshof und die später entstandene Wohnsiedlung befanden sich auf dem Gebiet der Gemeinde Bakelde, ab 1931 Gemeinde Klausheide und seit 1974 Stadt Nordhorn. Der Gutshof befindet sich rund sieben Kilometer nord-östlich von Nordhorn und rund 13 Kilometer süd-westlich von Lingen entfernt. Der Gutsbezirk wurde sowohl vom Ems-Vechte-Kanal als auch der Straßenverbindung zwischen Lingen und Nordhorn jeweils von Süd-West nach Nord-Ost durchschnitten. Diese Straßenverbindung war der Vorläufer der B 213, die ihrer Bedeutung wegen bereits 1824 als erste Landverbindung in der Grafschaft Bentheim zur Chaussee ausgebaut worden war.


Nordhorn - Gut Klausheide

Backsteinmauer


Durch die nach dem Erwerb der Liegenschaften begonnenen Kultivierungsmaßnahmen entstanden im nördlichen Bereich des Gutsbezirks, um das errichtete Gut herum, ausgedehnte landwirtschaftliche Nutzflächen. Unweit des Gutes, süd-westlich gelegen, entstand eine Arbeitersiedlung, die ursprünglich aus 20 Doppelhäusern rechts und links der Chaussee bestand und 40 Familien Platz bot. Aus den südlich der Siedlung bestehenden ausgedehnten Flächen wurde in großem Stil Jungwald angepflanzt. Südöstlich des Guts wurde der Flugplatz Klausheide angelegt. Die Gutsanlage selbst gleicht einem riesigen Vierkanthof mit geschlossenem Innenbereich. Zusammen mit dem rund 500 Meter langen Zufahrtsbereich zum Herrenhaus sowie weiteren seitlichen Flächen umfasst das Gut ein Gebiet von rund 13 Hektar, das zusätzlich von einer niedrigen Backsteinmauer eingefasst wurde.


Nordhorn - Gut Klausheide

Gebäude des Gutshofes


Im südlichen Bereich der das Gut umgebenden Liegenschaften, nördlich und südlich des Kanals gelegen, wurden große Nadelwaldflächen angepflanzt, viele Moor- und Heideflächen, wie das Heseper Moor, jedoch nur teilweise entwässert und weitgehend natürlich belassen. Das am wenigsten kultivierte Gebiet südlich des Ems-Vechte-Kanals wurde ab 1933 von der deutschen Wehrmacht als Bodenschießplatz benutzt. Später entwickelte sich aus den zur Gutsanlage gehörenden Arbeiterhäusern die Ortschaft Klausheide, die sich im Lauf der Zeit südlich ausdehnte und Teile des Waldes verdrängte. Durch die Kultivierung und Nutzbarmachung für landwirtschaftliche Zwecke wurde im etwa nördlichen Drittel der Liegenschaft ein Mustergut errichtet, auf dem vorrangig Gemüse- und Getreideanbau geplant war.


Nordhorn - Gut Klausheide

Gebäude des einstigen Gutshof


Der südliche Teil des Geländes, sowohl südlich als auch nördlich des Ems-Vechte-Kanals gelegen, sollte breitflächig mit Nadelwald aufgeforstet werden. Die Eigentümer verpflichteten einen Gutsverwalter aus Ostpreußen. Am 5. April 1914 wurde mit Dampfpflügen der Firma Ottomeyer mit ersten Kultivierungsarbeiten begonnen. Am 27. April 1914 besichtigten Bertha und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach das Gelände und den Fortgang der Arbeiten. An diesem Tag gaben sie bekannt, das Gebiet nach ihrem Sohn Claus von Bohlen und Halbach Claus-Heide benennen zu wollen. Ab 1916 erfolgte eine Anpflanzung von Kartoffeln, Roggen und Lupinen, im selben Jahr konnte die erste Ernte eingefahren werden. Gleichzeitig wurde mit den Aufforstungsarbeiten umfangreicher Waldflächen begonnen.


Nordhorn - Gut Klausheide

Zufahrtsallee


Im November 1917 waren die Hauptgebäude des Gutes soweit fertiggestellt und im September 1919 wurde mit dem Bau von 18 Doppelwohnhäusern für Gutsarbeiter rechts und links der Chaussee begonnen, die im Herbst 1920 bezugsfertig wurden. Mit der Kultivierung und Aufforstung entwickelte sich um das Gut Klausheide herum bereits nach wenigen Jahren ein zunehmend reicher Wildbestand. Zunächst vermehrten sich insbesondere Kaninchen so zahlreich, dass sie sich zu einer Plage entwickelten und großflächig bejagt werden mussten. Mit der Zeit entwickelten sich alle Wildarten einer Niederjagd. Die Gutsbesitzer luden traditionell im Herbst und Winter prominente Jagdgesellschaften aus Politik und Wirtschaft zu großen Treibjagden ein.


Nordhorn - Gut Klausheide

Gebäude des ehem. Gutshof


Das von der Industriellenfamilie Krupp von Bohlen und Halbach erworbene Gelände um den Gutshof bot bereits in seinem Urzustand die Möglichkeit, hier mit dem Flugzeug zu landen. So kam Gustav Krupp von Bohlen und Halbach oft mit dem Flugzeug, um sein Gut zu besuchen. Segelflugfreunde aus Nordhorn, Lingen und Meppen wurden auf den Platz aufmerksam und verhandelten mit Krupp von Bohlen und Halbach über eine Mitnutzung; so begannen bald die Segelflugaktivitäten in Klausheide. 1927 nahm die Lufthansa das Gelände als Notlandeplatz in ihr Streckennetz auf. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde der Platz erweitert und militärisch genutzt (Einsatzhafen Klausheide, E21). Im Februar 1945 wurde das Flugfeld durch die amerikanische Luftwaffe zerstört.


Essen-Bredeney

Grabplatte Claus von Bohlen und Halbach und Ehefrau Sita auf dem städtischen Friedhof Essen-Bredeney - Abt. Familienfriedhof Krupp - Foto: Wikipedia (gemeinfrei)


Heute heißt der Landeplatz Flugplatz Norhorn-Lingen. 1951 verkaufte Bertha Krupp von Bohlen und Halbach das Gut Klausheide inklusive 1 100 Hektar Kulturland für 900 000 DM an eine Saatzuchtgesellschaft. Ihre Tochter Irmgard Eilenstein (1912 - 1998), damalige Freifrau Raitz von Frentz, geborene von Bohlen und Halbach, zog in den Kriegswirren und nachdem ihr Mann gefallen war, mit ihren drei Kindern Rudger, Siegbert und Adelheid in die zum Gut gehörende Försterei. Dort lebte sie bis zum Sommer 1952, als sie nach Dortmund verzog, wo sie im Juni 1952 ihren zweiten Mann, den Landwirt Robert Eilenstein, heiratete. Der Namensgeber des Gutes, Claus von Bohlen und Halbach (1910 - 1940), kam im Zweiten Weltkrieg 1940 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Die Verstorbenen der Familie Krupp sind alle auf dem städtischen Friedhof in Essen-Bredeney begraben [1].


Quellenangabe:


1.: Die Informationen zum Gut Klausheide in der Nähe von Nordhorn (Niedersachsen) basieren auf dem Artikel Gut Klausheide (Stand vom 24.04.2014) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz [27 KB] für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.


Fotos Gut Klausheide




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