Altstadtfriedhof in Mülheim

Mülheim - Altstadtfriedhof Zentrales Denkmal der hier bestatteten russischen und polnischen Kriegsopfer






Überblick



Vom Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont blieb die historische Bebauung in den östlichen Randbezirken der Altstadt und in den nobleren Wohngegenden hin zum Ruhrufer, wo die Häuser aus der Gründerzeit und dem Jugendstil noch immer bildbestimmend sind. Im südlichen Teil der Altstadt liegt der unter Denkmalschutz stehende Altstadtfriedhof, auf dem viele Mülheimer Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte fanden. 1967 wurde der Altstadtfriedhof vollständig geschlossen und 1984 unter Denkmalschutz gestellt.







Mülheim - Altstadtfriedhof ...die in den Jahren 1906/07 errichtete Trauerhalle


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Geschichte


1812 wurde der Altstadtfriedhof eingeweiht und es erfolgten die ersten Bestattungen. Verwaltet wurde der Friedhof durch die evangelischen Pfarrer der zwei Kirchengemeinden. Schon bald stellte sich heraus, dass der hier gewählte Platz zu klein war und die Friedhofsfläche wurde 1835 erweitert und unter die Verwaltung der Stadt gestellt. Der Kommunalfriedhof wurde zwischen 1837 - 1866 noch mehrmals erweitert. 1878 wurden weitere Flächen angekauft. Es handelte sich um die Flächen zwischen Dimbeck, Tersteegenstraße, Kluse und Lohscheidt. Um 1900 erfolgte der Ausbau des Friedhofweges zwischen Schulstraße und Oberstraße.



Mülheim - Altstadtfriedhof Aussegnungshalle


Der Altstadtfriedhof bekam eine Einfassung mit Mauern und Toren. Ab 1900 erfolgte die Schließung des nördlichen Teils für Bestattungen in Reihengräbern. Ab 1909 wurde die vollständige Schließung des nördlichen Teils bekanntgegeben. 1916 erfolgte die Schließung des südlichen Teils für Bestattungen in Reihengräbern. Im Jahr 1967 erfolgte dann die vollständige Schließung des Friedhofes. 1984 wurde der Altstadtfriedhof unter Denkmalschutz gestellt. Patenschaften zur Pflege und Erhaltung der vorhandenen Grabdenkmäler können übernommen werden mit dem Recht auf Urnenbeisetzungen. 1988 wurden die Felder an der Kluse für Urnenbestattungen freigegeben.



Mülheim - Altstadtfriedhof Impressionen


Im Jahr 2006 wird die Aussegnungshalle für Trauerfeiern nach der Restaurierung mit Mitteln aus teilweisen privaten Spenden wieder geöffnet. Auf dem schön angelegten Altstadtfriedhof finden sich eine Reihe historischer Grabstätten in Form von Stelen, Kreuzen, abgebrochenen Säulen, Obelisken, Breitsteinen, eine Galvanoplastik, Grabmalwände mit Reliefen, Grüfte und verschiedene Grabmonumente. Bekannte Mülheimer Familien und Dynastien sind hier beerdigt worden. U.a. findet man hier die Familiengrabstätte Mitsdörffer, Familiengrabstätte Perez/Stinnes/Zerwes, Familiengrabstätte Josef Thysssen, Familiengrabstätte Klusmann, Familiengrabstätte Coupienne, Familiengruft Ludwig Lindgens, Familiengrabstätte von Eicken, Familiengruft Hugo Stinnnes und die Gruft Ibing. Auch russische und polnische Zwangsarbeiter haben auf dem Altstadtfriedhof ihre letzte Ruhe gefunden.



Mülheim - Altstadtfriedhof Familiengruft Hugo Stinnnes

Friedhofsbereich


Der Friedhofsbereich wird durch die Kettwiger Straße im Westen, dem Friedhofweg und Hagdorn im Norden, dem Lohscheidt im Osten und der Tersteegenstraße im Süden begrenzt. Da hier auf dem Altstadtfriedhof viele bekannte Mülheimer Bürger zur letzten Ruhe gebettet wurden, ist der unter Denkmalschutz stehende Friedhof somit auch ein wichtiges Zeugnis der Stadtgeschichte. Die Stadt Mülheim bietet an, Grabstätten von historisch bedeutsamen Persönlichkeiten durch Übernahme einer Patenschaft zu erwerben, zu erhalten und zu pflegen. Der gesamte Friedhofsbereich ist eingezäunt und durch mehrere Eingänge zu betreten. Markant ist das mit roten Ziegeln verkleidete Friedhofsgebäude an der Kettwiger Straße. Es handelt sich hier um das 1889 errichtete Torhaus des Friedhofs mit einer Wohnung für den Friedhofswärter und einem eigenen Trauerraum, der heute nicht mehr genutzt wird.



Mülheim - Altstadtfriedhof Torhaus zum Altstadtfriedhof

Kriegsopfer


Ein Besuch des Altstadtfriedhofs in Mülheim an der Ruhr ist zu empfehlen. Der Friedhof liegt am Rande der Altstadt und ist fast 200 Jahre alt. Im Schatten mächtiger Linden und Kastanien liegen hier u.a. auch die Gräber russischer und polnischer Zwangsarbeiter, die während der Zeit des Zweiten Weltkrieges unter den Nationalsozialisten in verschiedenen Mülheimer Betrieben eingesetzt waren oder den Schutt nach Bombardierungen der Alliierten auf Straßen und Plätzen entfernen mussten. Sie ruhen auf zwei großen Grabfeldern, die von Bäumen umstanden sind. Die liegenden Grabsteine weisen kyrillische Schriftzeichen auf und einige Gräber sind doppelt belegt.

Interessante Informationen zur Zwangsarbeit während des Nationalsozialismus 1933 - 1945 in Westfalen finden Sie hier....!



Mülheim - Altstadtfriedhof Grabplatte zweier Opfer aus der Zeit des Nationalsozialismus


Eine zentrale Gedenkstelle weist auf die Lage der unterschiedlichen Gräber hin und enthält fogende Überschrift: Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft - auf diesen Gräberfeldern sind 389 russische Kriegstote, 11 polnische Kriegstote und ein tschechischer Kriegstoter aus dem Zweiten Weltkrieg beigesetzt. Wie schon erwähnt befinden sich auf dem Altstadtfriedhof auch die Gräber einiger Unternehmerfamilien der Stadt Mülheim, die die Geschichte der Stadt maßgeblich mitgeprägt haben wie z.B. die Familien Thyssen, Stinnes und Troost. Die zum Teil prunkvoll gestalteten Grabmäler künden von Reichtum und bürgerlichem Selbstbewusstsein. Auch der Erste Bürgermeister der Stadt Mülheim, Christian Weuste, hat hier seine letzte Ruhestätte gefunden.



Mülheim - Altstadtfriedhof Grabmal von Johann Caspar Troost (1759 - 1830) auf dem nördlichen Teil des Friedhofs - Troost war rheinischer Textilfabrikant und preußischer Kommerzienrat

Patenschaften für Grabstätten


Mit beruhigender Stille und üppigem Grün lädt der Altstadtfriedhof seine Besucher ein, den Alltag zu vergessen und innezuhalten: ein hoch geschätzter Ort der Ruhe inmitten der Stadt. Die denkmalwerten Grabstätten sollen mit ihren historischen Grabmalen und Einfassungen erhalten bleiben und einer neuen Nutzung zugeführt werden. Man kann für diese Grabstätten Patenschaften zu übernehmen. Dadurch kann eine Grabstätte reserviert werden, die als große Urnenwahlgrabstätte mit bis zu 4 Urnen belegt werden kann. Im Unterschied zum Vorkauf einer gewöhnlichen Wahlgrabstätte ist die Erwerbsgebühr für 30 Jahre erst anlässlich der ersten Beisetzung fällig.



Mülheim - Altstadtfriedhof Gruftanlage im Osten des Alstadtfriedhofs


Als Gegenleistung ist der Pate verpflichtet, die Grabstätte gärtnerisch zu pflegen und die darauf befindlichen baulichen Anlagen Instand zu setzen bzw. erhalten. Auf Wunsch darf an geeigneter Stelle eine Grabtafel angebracht werden, die das Erscheinungsbild der historischen Grabstätte nicht beeinträchtigen darf.

Die Nutzungsrechte an den alten Grabstätten sind mit der Schließung des Friedhofes erloschen. Auf dem südöstlichen Teil des Altstadtfriedhofs finden Sie die Urnengrabstätten.



Mülheim - Altstadtfriedhof Grabdenkmal

Ehrenmal für die Gefallenen


Bereits nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Umfriedung des nördlichen Teils entfernt. Dieser Teil ist heute durch die Straße Friedhofweg vom südlichen Teil getrennt und wurde als offene Grünfläche gestaltet und nur noch wenige Grabmonumente in diesem Bereich erinnern an die frühere Nutzung. Die nördliche Begrenzung bildet seit 1968 das vom Künstler Gerhard Marcks gestaltete Ehrenmal für die Gefallenen beider Weltkriege, an dem jählich am Volkstrauertag die Kranzniederlegung stattfindet.



Mülheim - Altstadtfriedhof Ehrenmal für die Gefallenen im nördlichen Teil des Altstadtfriedhofs

Altstadt


Am Kirchenhügel beginnt die immer noch sehenswerte Altstadt von Mülheim. Ein schwerer Luftangriff der Alliierten auf Mülheim während des Zweiten Weltkriegs am 22./23. Juni 1943 zerstörte insgesamt 77 Prozent der Gebäude innerhalb der Stadt und damit auch die Häuser der Altstadt. Wer die Altstadt früher kannte, wird heute vieles vermissen. Die nach dem Kriege wieder aufgebauten Häuser vermitteln nur noch einen Hauch von Beschaulichkeit....

Weitere Informationen zur Altstadt in Mülheim an der Ruhr finden Sie hier....!



Mülheim - Altstadt ...schönes Fachwerkensemble neben der Petrikirche...

Petrikirche


Um eine Kapelle des heiligen Petrus, der heutigen Petrikirche, mit einem Asylrecht für Verfolgte, entstand die Siedlung, später mit einem Schiffergericht unter der Hoheit der Grafen von Berg. Im Mittelalter gab es hier einen befestigten Königshof, den sogenannten Muhrenhof mit Wirtschaftsgebäuden. Um 1200 entstand an dieser Stelle eine Kapelle, die dem heiligen Petrus geweiht war. In späteren Jahren wurde die Kapelle in mehreren Bauschritten zur Petrikirche ausgebaut.

Weitere Informationen zur Petrikirche in Mülheim an der Ruhr finden Sie hier....!



Mülheim - Petrikirche

Weitere Links:

Die Altstadt in Mülheim
Camera Obscura in Mülheim
Schloss Landsberg bei Kettwig
Kirche in Mintard (Mülheim an der Ruhr)
Kloster Saarn (Mülheim an der Ruhr)
Otto Pankok Kleine Biografie
Schloss Styrum (Mülheim an der Ruhr)
Schloss Broich an der MüGa
Neickmannshof (Haus am Wasser)
Ringlokschuppen an der MüGa
MüGa jenseits der Ruhr
Petrikirche (Kirchenhügel)
Wasserbahnhof (Schleuseninsel)
Haus Ruhrnatur (Schleuseninsel)




Informationen:


Weitere Informationen zum Kloster Saarn, zur Musik im Kloster Saarn, zur Kirchenmusik in der Petrikirche, zum Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr, zum Aquarius Wassermuseum und zu den Sehenswürdigkeiten in Mülheim finden Sie hier.



Wappen der Stadt Mülheim

Fotos vom Altstadtfriedhof





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